Nutzer-Orientierung, etwas missverstanden

„Keine Lust auf Cold Calls?“, fragt mich gerade wieder aufdringlich die Werbung auf LinkedIn. Und bietet die Lösung: eine Social-Media-Strategie, die ultimativ wirkt. Auch wenn daran nur eines sicher ist: Sie kostet Geld.

Bei ContentMarketing, so das Ideal, steht der anvisierte Nutzer im Mittelpunkt, nicht das eigene Produkt. Entsprechend sollte die Marktkommunikation aufgebaut sein. Und spielt die Anzeige das nicht geradezu lehrbuchmäßig durch? Denn: Wer hat schon Lust auf „Cold Calls“, auf unerwünschte Anrufe bei Firmen, von denen man maximal den Namen weiß?

Leider nein. Denn ehrlich gesagt: Den Kunden geht es selten primär um „Cold Calls“. Ihnen geht es darum, Umsatz und Profit zu sichern. Ob mit oder ohne unerwünschten Anrufen, ist den meisten recht egal. Das ist eine operatische Fragestellung, keine strategische.

Die Anzeige ist als Einbahnstraße angelegt: Du hast ein Problem – hier ist die Lösung. Das ist kein Dialog, das ist platte Werbung ohne jede Intention, sich mit der Zielgruppe auseinanderzusetzen. Nach dem Motto: Jetzt rede ich – und Du hörst zu. Schade.

Echtes Content Marketing könnte so viel mehr. Und zwar für beide Seiten. Wenn Marketing keine Einbahnstraße ist, kann es nicht nur die Grundlagen für einen Vertriebserfolg schaffen. Sondern auch Erkenntnisse in das eigene Unternehmen tragen aus dem Dialog mit der Zielgruppe. Das würde dann auch einen strategischen Beitrag für das eigene Unternehmen liefern.

Keine Frage: Gutes Content-Marketing funktioniert nicht kurzfristig. Wer dringend den Vertrieb bis zum Quartalsende pushen muss, wird auf klassische Werbung zurückgreifen müssen. Aber sie bleibt ein Strohfeuer. Wer langfristig dem Verkauf stärken will, spricht mit seinen (potenziellen) Kunden.